VVN-BDA

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V.

Sitz LEIPZIG

Aktuelle Veranstaltungen und Presseerklärungen

18. November 2016, 19:00 Uhr: Leipziger Meuten und Broadway-Gangster

Im KOMM-Haus in Grünau (Selliner Straße 17) findet am 18.11.2016 ein Veranstaltung statt, die sich dem jugendlichen Widerstand zu Beginn der 1930er Jahre widmet.

Leipzig war ein Zentrum jugendlicher Opposition gegen das NS-Regime. Bis zu 1.500 Mädchen und Jungen trafen sich ab Mitte der 1930er Jahre im Leipziger Stadtgebiet in Cliquen und lehnten sich gegen den Nationalsozialismus auf. Streuzettel wurden hergestellt und HJ-Heime überfallen. In kleineren Runden diskutierte man über ein Deutschland ohne Nazis. Im Vortrag mit Dr. Sascha Lange über die erste autonome Jugendkultur wird auch auf die Situation der Jugendverbände um 1933, die Rolle der Hitlerjugend und den Einfluss amerikanischer Filme und Swingmusik auf Jugendliche in den 1940er Jahren eingegangen. Dazu gibt es zahlreiche bislang unbekannte zeitgenössische Fotos und Dokumente zu sehen. Alexander Lange hat zu Jugendopposition im Nationalsozialismus promoviert und arbeitet als freier Autor und Historiker in Leipzig. Weitere Informationen zum Autor und der Thematik unter: www.scherbelberg.de und www.leipzigermeuten.de.
Dem Vortrag schließt sich eine Diskussionsrunde an - der Eintritt ist frei.

8. Oktober 2016, 10:00 Uhr: Mi Corazon - Meine liebe Luise...

Buchvorstellung mit der Autorin Jenny Heilmann

Das alte Hochzeitsfoto der Großeltern hatte sie schon immer fasziniert. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Warum sahen die Beiden auf dem Bild so ernst und unsicher aus? Oma Luise und Opa Heinrich haben nie über die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs geredet. So erfährt Jenny Heimann erst Jahre nach deren Tod von der unglaublichen Geschichte, die den Großvater vom beschaulichen Hamm in die Wirren des Spanischen Bürgerkriegs und von dort aus in das KZ nach Dachau trieb.


Die Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit des VVN-BdA Leipzig mit Leipzigs Neue Seiten.

Liebknechthaus Leipzig
Braustraße 15
04107 Leipzig

Er war einer der Letzten - der BdA Leipzig trauert um Prof. Dr. Erich Schade

Er war einer der letzten überlebenden Häftlinge des KZ Sachsenburg: Der Leipziger Antifaschist Erich Schade ist am 14. Juni mit 104 Jahren überraschend verstorben. Der BdA Leipzig trauert um einen aufrechten Kameraden und lebenslustigen Menschen.

Am 21.10.1911 in Leipzig in einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie geboren, hatte der junge Erich schon früh den Sport und das Lernen für sich entdeckt, war bereits in der Lehre zum Schriftsetzer in der Gewerkschaft und der Sozialistischen Arbeiterjugend-SAJ organisiert. Nach Ende der Lehre 1930 ging der immer wieder arbeitslose Schriftsetzer auf Wanderschaft in viele Länder. Als in Deutschland der Faschismus immer stärker und die Nazis brutaler wurden, schloß er sich den Kampfstaffeln der SPD und SAJ an, um Personen und Versammlungen zu schützen. Er war auch dabei, als es Ende 1932 endlich die „Einheitsfront“ und gemeinsame Demos von SPD und KPD gab. Aber da war es schon viel zu spät. Hitler kam an die Macht und auch die SPD wurde 1933 verboten, ihre Mitglieder verfolgt. Im September 1935 wurde er zur GESTAPO-Leitstelle ins Polizeipräsidium Leipzig gebracht und in „Verwahrungshaft“ wegen des Verdachts staatsfeindlicher Betätigung genommen. Von dort kam er am 17.10.35 in „Schutzhaft“ nach Sachsenburg bei Frankenberg, einem der ersten KZs überhaupt. Er musste unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten und die Brutalität der SS-Wachen sowie Einzelhaft im Bunker erleben. Nach seiner Entlassung am 12.06.36 wurde Erich Anfang 1941 Soldat in Jugoslawien und Griechenland. Nach einer Verwundung kam er ins Lazarett nach Österreich und erlebte dort im Mai 1945 das Kriegsende. Nach kurzer Zeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, konnte er in das zerstörte Leipzig zu seiner Frau Margarete und der Tochter zurückkehren. Er hatte aus Faschismus und Krieg gelernt und setzte sich unermüdlich für den Zusammenschluss von SPD und KPD ein, war politisch aktiv und wissbegierig. 1946, mit 35 Jahren, war Erich einer der ersten Arbeiterstudenten der Universität. Der Universität ist er treu geblieben: An der damaligen Landwirtschaftlichen Fakultät promovierte er und arbeitete als Dozent und Professor, Generationen von Studenten prägte er. 1974 ging Erich Schade in Ruhestand, doch er hielt noch lange die Verbindung zur alten Wirkungsstätte und nahm auch nach 1989 noch am Professoren-Kolloquium der Universität teil. Über die vielen Jahre war seine fachliche und politische Arbeit immer mit dem antifaschistischen Gedanken und entsprechendem Handeln verbunden. Als Mitglied der VVN seit 1947 arbeitete er ehrenamtlich besonders aktiv ab 1974 im Stadtkomitee Leipzig, ging an Schulen zu Gesprächen und Jugendweihe-Veranstaltungen und hielt Seminare zum Thema „Antifaschismus“, arbeitete auch nach 1989 weiter und setzte sich für den Erhalt von Ehrenmalen ein sowie für antifaschistische Bildung von Schülern und Studenten. Für diese Arbeit wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Trotz Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Frau im Jahr 2000 und einem folgenschweren Unfall einige Jahre später, blieb Erich Schade ein lebenslustiger Mensch voller Ruhe, Freundlichkeit, Intelligenz und Optimismus. Er war am Leben und politischem Geschehen im Land und der Welt interessiert, machte sich Sorgen besonders über das Erstarken des Neofaschismus sowie um die Jugend und betonte immer wieder, wie wichtig gute Bildung ist.

Wir trauern um einen guten Kameraden und Antifaschisten.

VVN-Bund der Antifaschisten Leipzig
09.08.2016

Wir trauern um Karl Iljitsch Hauke

Der Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Leipzig gibt voller Trauer bekannt, dass am 30.04.2016 einer der letzten Zeitzeugen und Widerstandskämpfer gegen das Naziregime, unser Kamerad Karl Iljitsch Hauke, im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Mit ihm verliert der VVN-BdA Leipzig einen politischen Weggefährten und Kämpfer gegen den Faschismus, dem es immer wieder ein Bedürfnis war, vor allem jungen Menschen seine Erfahrungen weiterzugeben und über die Gräueltaten des Faschismus aufzuklären. Noch im Jahr 2014 stand er für das Zeitzeugenprojekt „Woran Sie sich erinnern“ mit seinem reichen Erfahrungsschatz zur Verfügung und im Beitrag des MDR zur Geschichte Mitteldeutschlands vom 27.4.2016 „Eine deutsch- russische Freundschaft über Generationen“ konnte er dem Enkel eines sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiters von seiner Widerstandsarbeit berichten und ihm historische Orte in Leipzig zeigen.
Am 08.06.1928 geboren, wuchs er in einer kommunistischen Familie auf und lernte früh, was es heißt, im Widerstand tätig zu sein. Schon mit fünf Jahren erlebte er eine Hausdurchsuchung durch die SA und im Jahr 1935 die erste Verhaftung des Vaters.
Sein Wirken während des Faschismus ist eng verbunden mit dem „Internationalen Antifaschistischen Komitee“ IAK, einer Widerstandsgruppe aus deutschen Antifaschisten und sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. An einen der Aktiven, Nikolai Rumjanzew, erinnert heute noch eine Straße in Grünau und ein Mahnmal.
Im Jahr 1941, er war gerade 13 Jahre alt, stellte er die ersten Kontakte zu den sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern her und in der Wohnlaube seiner Eltern traf man sich. Dort entstanden auch Flugblätter, er half aktiv bei der Herstellung und Verteilung. Das wichtigste „An alle“ wurde Anfang Mai 1944 an alle Nationalitäten in den Zwangsarbeiterlagern verteilt. Karl Hauke schrieb dieses Flugblatt im Namen des IAK, weil seine Handschrift bei der Gestapo nicht bekannt war.
Am 16.06.1944 wurden Karl Hauke und seine Mutter verhaftet, der Vater einige Tage später in Breslau. Die gesamte Familie wurde wegen Hochverrats, der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern und wegen des Hörens von Feindsendern verurteilt. In der Haft war er schweren Misshandlungen ausgesetzt. Die Gefangenen wurden vor der Verhandlung bei einem Arzt notdürftig hergerichtet, dabei nutzte er einen günstigen Moment zur Flucht und tauchte unter.
Am Kriegsende war er gerade 16 Jahre alt. Aber er begann sofort, sich am gesellschaftlichen Wiederaufbau zu beteiligen. Es lag nahe, sich um den Aufbau der Jugendarbeit zu kümmern. Bereits Anfang Juni 1945 begann die Jugendarbeit in der Bayreuther Straße in Meyersdorf. Mit 18 Jahren war er jüngster Neulehrer. Seit dem 01.09.1946 war er bis zur Pensionierung Lehrer und Direktor an verschiedenen Leipziger Schulen.
Sein Leben war geprägt vom Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung, für den Aufbau einer Gesellschaft in Frieden und Freiheit. So wird er in unserer Erinnerung bleiben.

Wir danken ihm, dass wir ihn ein Stück des Weges begleiten durften.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und allen Familienangehörigen.


VVN-Bund der Antifaschisten Leipzig
05.05.2016