Immer wieder erreichen uns Anfragen zur Recherche nach einzelnen Personen, seien es Angehörige, Studierende oder bspw. auch Hausprojekte, die der Spur von Straßennamen etc. nachgehen.
Daher hier unsererseits ein kleiner Überblick – wie eine Recherche nach Verfolgten des NS-Regimes aussehen kann aber auch, wo ihr Unterlagen zu Personen und ihrem Leben in der Zeit des deutschen Faschismus findet.
Zu allererst: je mehr persönliche Angaben euch zur Verfügung stehen, desto leichter ist es Personen aufzuspüren oder unter namensgleichen die richtige herauszufiltern.
Hilfreich sind auf jeden Fall der volle Name (achtet vor allem bei Frauen auf Geburts- und Ehename) sowie das Geburtsdatum und der Geburtsort.
Zum späteren Eingrenzen sind dann auch Angaben zum Beruf und den Wohnorten wichtig, da dies Angaben sind, die in der Regel bei Verhaftungen bspw. erfasst wurden. Wenn ihr über Informationen zur Verfolgungsgeschichte verfügt – z.B. von Haftorten und -zeiten oder Gerichtsverhandlungen wisst, dann könnt ihr eure Suche auch zusätzlich über diese Orte laufen lassen.
Das heißt konkret: ihr stellt zunächst eine allgemeine Anfrage im Archivportal Deutschland – ihr könnt aber auch über das Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ direkt gehen und euch dort umschauen.
Von dort werdet ihr bei Treffern direkt auf die sächsischen Archivangebote verwiesen – ihr dürft allerdings nicht erwarten, dass ihr direkt auf Digitalisate von Akten zugreifen könnt!
In der Regel könnt ihr mit euren Rechercheergebnissen eine Benutzung im Archiv vorbereiten. Das heißt in jeden Fall müsst ihr vor Ort ins Archiv.
Über das sächsische Archivportal findet ihr Verweise auf konkrete Akten, die in z.B. in den Staatsarchiven (in Leipzig, Dresden, Chemnitz und Freiberg) liegen.
Wenn ihr bei eurer Onlinerecherche fündig geworden seid, dann könnt ihr die Akten vorbestellen – denkt bitte daran, dass das meist ein paar Tage dauert bzw. ihr natürlich auch einen Benutzungsantrag stellen müsst, in dem ihr euer Rechercheanliegen darlegt.
Aber keine Scheu davor, alle wichtigen Informationen findet ihr online bzw. erhaltet ihr auch telefonisch oder per Email vom jeweiligen Archiv.
Suche nach VVN-Unterlagen
Wenn ihr schon wisst, dass eure gesuchte Person als Verfolgte des Naziregimes anerkannt war oder diesen Status vielleicht auch wieder aberkannt bekommen hat, dann könnt auch direkt in den Beständen der VVN suchen.
Grundsätzlich findest du diese VVN-Akten (auch unter den Stichpunkten Verfolgte des Naziregimes/ VdN oder Opfer des Faschismus/ OdF) aus DDR-Zeiten in den Staatsarchiven – jeweils nach den ehemaligen Bezirken aufgeteilt.
1963 erließ das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR eine „Ordnung für die Tätigkeit und Aufgaben der Bezirks- und Kreiskommissionen für VdN-Angelegenheiten“, wonach bei den Räten der Bezirke so genannte VdN-Kommissionen wirkten. Diese Kommissionen unterstützten die staatlichen Stellen bei der Durchführung der gesetzlichen Regelungen zur medizinischen und sozialen Betreuung der VdN. Für die Sammlung von Erinnerungsberichten, Ausrichtung von Gedenkveranstaltungen oder auch Publikationen waren die Bezirks- und Kreiskomitees des Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR in Berlin (Ost) und in den Bezirken zuständig.
Es lohnt daher durchaus, nicht nur bei den Staatsarchiven sondern auch in den kommunalen Archiven der Städte und Gemeinden nach dort vorhandenen Unterlagen (hier z.B. Leipzig) zu suchen.
Aber auch beim Bundesarchiv in Berlin finden sich Unterlagen vom Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer für die gesamte ehemalige DDR. Dort gibt es außerdem auch die Überleiferung zu zahlreichen Prozessen gegen politische Gegner*innen aus der NS-Zeit.
Anfragen an das Bundesarchiv könnt ihr hier stellen.
Weitere Recherchemöglichkeiten in Sachsen:
Für Sachsen gibt es seit einiger Zeit eine Onlinedatenbank der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten mit etwa 2 500 namentlichen Einträgen zu Insassen der frühen NS-Konzentrationslager in Sachsen. Den Schwerpunkt bilden Gefangene in den Frühen Lagern Sachsenburg, Hohnstein und Colditz.
Du kannst hier https://www.stsg.de/cms/dokstelle/auskuenfte/fruehe-ns-kz-sachsen-1933-1937/datenbank-fruehe-ns-kz-sachsen-1933-1937 direkt mit dem Namen suchen.
Falls das passen sollte, wendest du dich mit einem Antrag auf Auskunft direkt an die Dokumentationsstelle.
Falls du bei den Gedenkstätten Sachsen nicht fündig wist, dann helfen dir vielleicht auch die lokale Initiativen und Projekte weiter. Einen Überblick oder ersten Kontakt findest du bei der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG), dort sind viele ehrenamtlich arbeitende Gruppen und Personen vernetzt, die auch zu kleineren Haftorten Auskunft geben können.
Wenn du online noch weiter recherchieren möchtest, geht das natürlich auch über die Arolsen Archives. Dort kannst du unter: https://collections.arolsen-archives.org/search/ nach dem Namen deines Verwandten aber auch nach Haftorten suchen.
Für Fragen kannst du dich auch gern an uns wenden. Schreib eine Email an: Archiv/Sammlung VVN-BdA Leipzig e.V.: archiv.sachsen{@}vvn-bda.de
–> Informationen zu PERSONENRECHERCHEN allgemein in der NS-Zeit folgen <–
Mehr zur Geschichte der VVN:
Reuter, Elke; Hansel, Detlev: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953. Die Geschichte der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR, Berlin 1997.


Am 13.03.2026 erreichte uns die Information, dass unser Vereinskonto bei der Deutschen Skatbank mit Frist zum 11.05.2026 gekündigt ist.
Im Rahmen unserer Mitgliederversammlung am 15.11.2025 wurde eine Broschüre über das Leben unseres Mitglieds Maja Günther veröffentlicht.




Dr. Margarete Blank war seit 1930 in Panitzsch als niedergelassene Ärtztin tätig und bezog zusammen mit ihrer Schwester Elenore zwei Zimmer in einem kleinen Haus in der Sehliser Str. , eines als Wohnraum eines als Praxis. Das ausgezeichnete Fachwissen, die Wärme und das Verständnis der jungen Ärztin für die Nöte und Sorgen der Menschen, die Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft der Schwestern, ließen sie sehr schnell Achtung und Vertrauen finden. Bald gewannen sie Freunde im Ort. Immer öfter wurde sie auch zu Patienten in den Nachbarorten gerufen. Selbst in Taucha war sie geschätzt und geachtet, trotz mehrerer dort ansässiger Ärzte. Später sah sich selbst die faschistische Justiz zu dem Eingeständnis gezwungen, daß „Margarete Blank eine anerkannte tüchtige Ärztin“ war.

Walter Heise kam am 08.08.1899 als Sohn eines Schlossers in Aschersleben zur Welt. Nach seinem Schulabschluss machte er eine Lehre als kaufmännischer Angestellter und trat 1917 in die SPD ein. Während des Ersten Weltkrieges verlor er beide Brüder an der Front, was ihn auch zum Parteieintritt ermutigte. 1924 zog Heise nach Leipzig um, wo er 1926 die kommunistisch geprägte Klara Burgdorff heiratete und mit ihr 1927 einen Sohn Namens Günther bekam. Durch den Kontakt mit Klaras Familie trat Heise 1931 in die KPD ein und wurde dort zum aktiven Mitglied. Aufgrund häufiger Arbeitslosigkeit engagierte sich Heise stark in der Erwerbslosenbewegung und leitete ab 1932 die Demonstrationen der Arbeitslosen in der Leipziger Innenstadt.
Nach seiner Entlassung wurde er als „wehrunwürdig“ eingestuft und stand unter ständiger Polizeiaufsicht. Bis 1942 fand er nur gelegentlich Arbeit und wurde schließlich Lohnbuchhalter in der Feuerungs- und Trocknungsanlage Fränkel & Viebahn in Holzhausen. Auch innerhalb dieser Firma setzte er seine antifaschistische Arbeit fort und wurde schließlich durch einen Gestapoinformanten wegen des Abwerfens eines Flugblattes und Antikriegsäußerungen gegenüber Arbeitskollegen denunziert. In Folge dessen wurde er am 15.08.1944 erneut verhaftet und wegen „Wehrkraftzersetzung“ am 15.12.1944 am Volksgerichtshof Dresden zum Tode verurteilt. Seine Frau Klara erhielt Walter Heises Abschiedsbrief erst am 07.03.1945 und musste zusätzlich den Verlust ihres Sohnes verkraften, der am 06.02.1945 zwei Wochen vor seinem Vater im Alter von 18 Jahren an der Front fiel.